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Zur Geschichte von Bad Wildbad

Historische Zeichnung
Historische Zeichnung

Die Stadt Bad Wildbad besteht seit 1974 aus den Stadtteilen Wildbad mit Sommerberg, Ziegelhütte und Lautenhof / Calmbach mit Kleinenzhof / Sprollenhaus mit Nonnenmiß und Christophshof sowie den Bergorten Aichelberg, Hünerberg und Meistern. Zu den Gemeinsamkeiten in der historischen Entwicklung der Stadtteile gehört, dass ihre Anfänge eng mit der Besiedlung des Nordschwarzwalds seit dem Hochmittelalter im Zuge systematischer Erschließung des Landes durch Rodung zusammenhängen.

Aber bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. war das Enztal großflächig für die Herstellung von Holzkohle abgeholzt worden. Diese wurde bei Neuenbürg zum Betrieb der Rennfeueröfen im damals bedeutendsten Zentrum der Kelten für Eisenverhüttung nördlich der Alpen benötigt. Somit waren die Thermalquellen Wildbads schon zu dieser Zeit für den Menschen zugänglich.  

Stadtteil Wildbad

Wer von der Wilhelmstraße aus den Kurplatz betritt, überblickt von der Stelle eines wohl vor etwa 300 Jahren abgerissenen unteren Stadttors nahezu vollständig den Umriss eines ehemals ummauerten Stadtgebiets. Die Stadtmauer verlief auf der linken Seite hinter der Stadtkirche und dem heutigen Badhotel bis zur Südseite des heutigen Palais Thermal. Auf der rechten Seite verlief sie entlang der Enz, und nach Süden konnte man bis zum 18. Jahrhundert die Stadt durch das obere Stadttor nahe dem heutigen Katharinenbrunnen verlassen. Die spätere rechteckige Struktur des Kurplatzes und die ihn umgrenzenden Gebäude entstanden nach dem letzten großen Stadtbrand von 1742. 

Innerhalb oder im nahen Umkreis dieses Platzes liegen die Stellen, an denen das Wildbader Thermalwasser seit Urzeiten ans Tageslicht trat. Bei diesen Thermalquellen handelt es sich um Oberflächenwasser aus der Nacheiszeit, das in Granitschichten von 2.500 bis 3.000 m Tiefe abgesunken ist. Nachdem es sich auf ca. 120°C erwärmt hat, tritt es nach einer Zirkulationsdauer zwischen 7.500 und 12.000 Jahren mit 35-41°C wieder oberirdisch aus. Thermalquellen, deren therapeutische Heilwirkung schon im Altertum bekannt war, in Wildbad mit mineralischen Zusätzen wie Natrium, Calcium, Chlorid und Hydrogencarbonat, waren auch im Deutschland des Mittelalters beliebt. Man badete in großen Becken unter freiem Himmel, dann auch in Gebäuden. Badekuren umfassten oft insgesamt 150 bis 200 Stunden und somit mehr als 8 Stunden täglich, die im Wasser verbracht werden mussten. (Ergänzende Hinweise unter "Badekultur" bei WIKIPEDIA.) 
 
Thermalquellennutzung in Wildbad seit der Hohenstaufenzeit nachgewiesen
Urquell um 1130/1185Das erste Zeugnis menschlicher Nutzung dieser Quellen ist ein im Winter 1904/1905 vor dem heutigen Haus des Gastes entdeckter, aber wieder zugeschütteter Thermalwasserschacht. In 12 m Tiefe befand sich an der 3 m breiten Sohle ein für Sitzbäder geeignetes Badebecken. Die Nutzung dieses sogenannten Urquells am linken Ufer der Enz, damals an der Grenze der Herrschaften von Eberstein und Calw/Vaihingen, ist in die Stauferzeit zwischen 1130 und 1185 zu datieren, wie dendrochronologische Untersuchungen hier gefundener Holzteile ergaben.

Urkundliche Überlieferung des "Wiltbades" seit 1345
Ein "Wiltbade" wird im Nordschwarzwald erstmals 1345 urkundlich erwähnt. Bei der pfandweisen Überlassung von Burg und Stadt Zavelstein an die Tübinger Pfalzgrafen nahmen die Grafen von Württemberg das zugehörige "Wiltbade" von der Verpfändung ausdrücklich aus. In diesem Wildbad, dokumentiert auch in einem Schreiben Kaiser Karls IV. an die Stadt Straßburg vom 7. Juli 1367, ereignete sich 1367 der Überfall des Grafen Wolf von Eberstein im Verein mit Wolf von Wunnenstein und anderen Verbündeten auf den dort badenden Graf Eberhard II. von Württemberg, den Greiner. Dieser konnte sich jedoch seiner Gefangennahme durch die Flucht nach Zavelstein entziehen. In Ludwig Uhlands Gedicht "Der Überfall im Wildbad" wird diese Episode heroisiert dargestellt. Umstritten ist, ob es sich bei dem 1345 und 1367 erwähnten "Wiltbade" um den Teinacher kalten Sauerbrunnen oder um die bereits im Hochmittelalter nachweislich genutzten heißen Quellen von Wildbad im Enztal handelt. Die gewichtigeren Argumente sprechen für unser Wildbad.

Bei der frühesten bekannten Urkunde, die sich unbestritten auf unsere Stadt bezieht, handelt es sich um ein erfolgreiches Gesuch von 1376 an den Bischof von Speyer zur Stellung des Wildbader Kaplans. Das Lehens- und Eigengüterverzeichnis des Hauses Württemberg von 1420 zeigt Wildbad in hervorgehobener Stellung im Gebiet der ehemaligen, 1308 und 1345 von Württemberg erworbenen Grafschaft Calw. Da Wildbad 1442 bei der 40 Jahre dauernden Teilung Württembergs als Amtsstadt bezeichnet wird, hat es vermutlich seine Stadt- und Marktrechte bereits in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts erhalten.  

Wildbad - eines der meist besuchten Bäder Deutschlands bis um 1618
Der württembergische Graf Eberhard im Bart, der 1459-1496 regierte und 1495 auf dem Reichstag von Worms die Herzogswürde erhielt, weilte mehrfach in Wildbad. Im Sommer 1478 brachte er sogar den in seiner Zeit berühmten Tübinger Theologieprofessor Johannes Heynlin von Stein als Prediger mit. Bis zur Einführung der strengen Geschlechter- und Standestrennung in den Bädern, vermutlich nach Einführung der Reformation 1534, logierte und badete die Herrschaft gemeinsam mit den übrigen Gästen. Die häufigen Besuche des württembergischen Grafen- und späteren Herzoghofs machten das Bad auch für eine große Zahl adliger und gebildeter Gäste attraktiv, sodass es bis etwa zum Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs (1618) eines der bekanntesten und am meisten besuchten Bäder in Deutschland war.Aus dem Titelblatt einer Schrift von Hans Folz um 1480

Erstmals um 1480 erschien Wildbad in einer Schrift des Nürnberger Barbiers Hans Folz.  Der Augsburger Kaufmann Lucas Rem berichtet uns in seinen Tagebuchaufzeichnungen von sechs Badeaufenthalten in Wildbad in den Jahren 1521 bis 1540, dass es hier bereits vor 1521 eigenständige Badehäuser gab, auch wenn sich ein Großteil des Badebetriebs in den privaten Herbergen abspielte. Gotisch gewölbte Badehallen vermutlich aus der Zeit nach dem ersten großen Stadtbrand von 1464, die in herzogliche Gebäude am Marktplatz (jetzt Kurplatz) integriert waren, überstanden alle weiteren Stadtbrände, mussten aber 1840/1843 dem von Nikolaus Friedrich von Thouret gebauten heutigen Badhotel weichen.

Beim Wiederaufbau nach dem Stadtbrand von 1525 fanden die Wildbader Bürger Unterstützung durch Erzherzog Ferdinand von Österreich, der nach der zeitweisen Übernahme Württembergs durch die Habsburger 1520 als Landesherr in Württemberg 1522 bis 1534 regierte. Dessen Statue von 1532 befindet sich heute wieder auf dem Kurplatzbrunnen. Wildbad wurde in dieser Zeit auch bekannt als eine der Hochburgen der Wismutmalerei. Auf Wismutgrund bemalte Kästchen waren begehrte Souvenirs für Gäste. 

Endgültiges Ende der ersten Blütezeit des Bades nach dem Stadtbrand von 1645
Wildbad blieb im Dreißigjährigen Krieg von Schäden verschont, jedoch beschleunigte der Verfall des Geldwertes und der schnelle Besucherrückgang die Verarmung der Bevölkerung. Etwas Linderung der Not brachte für das heimische Handwerk die Erweiterung der Stadtkirche (1623/28) wie schon zuvor der Bau der Lateinschule (1616) jeweils durch den herzoglichen Baumeister Heinrich Schickhardt. Der Stadtbrand von 1645 bedeutete das endgültige Ende der ersten Blütezeit Wildbads. Zwar wurden wie schon beim Stadtbrand von 1525 die meisten Gebäude nach Kollekten im alten Stil wieder aufgebaut; doch lebten 1655 erst wieder 77 Bürger in Wildbad, die sich hauptsächlich von der Holzwirtschaft ernährten. Die Aristokratie, von deren vermehrtem Besuch Zuschüsse und Baugelder abhingen, suchte Wildbad nur noch gelegentlich auf. Die nach dem Kriegsende 1648 offenkundige Vernachlässigung Wildbads als Badeort bis ins 19. Jahrhundert erklärt sich aus dem nunmehr herrschenden Modetrend, der eindeutig Trinkkurorte favorisierte.

Noch heute maßgebende neue Stadtanlage nach dem Stadtbrand von 1742
Der Marktplatz von Wildbad, Lithographie 1820Eine neue Katastrophe bedeutete der letzte und größte Stadtbrand von 1742, durch den 609 Einwohner obdachlos wurden, nahezu die gesamte Einwohnerschaft. Der umgehend mit dem Wiederaufbau der Stadt betraute Oberbaudirektor Johann David Christoph Leger konzipierte eine neue Stadtanlage, deren Struktur sich bis heute erhalten hat. Neu ist ein offenes rechtwinkliges Straßennetz, das von barocken Gebäuden entsprechend einem Musterhaus gesäumt werden sollte. Nach diesem Plan entstand auch die noch unverändert erhaltene protestantische Stadtkirche als spätbarocke Predigtkirche mit ovalem Grundriss, aber bereits unter dem Einfluss des beginnenden Klassizismus.

Doch im Wohnbereich hielt der barocke Idealplan der Realität nicht stand. Es bildeten sich wieder enge, in der Not viel zu dicht belegte Wohnquartiere. Sie mussten auch noch die verbreitete Tierhaltung aufnehmen, denn 160 Stück Rindvieh und Ziegen waren in 100 Haushalten listenmäßig erfasst. Auch ein herzogliches Palais wurde 1797/99 an der Stelle des bisherigen, 1742 abgebrannten herzoglichen Gebäudes (Ulrichsbau) errichtet. Als Herzog Karl Eugen 1787 einen 24-Punktekatalog zur Verschönerung Wildbads veranlasste, wurde der Architekt Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer, der höchste Baubeamte des Landes, zur Erweiterung und Umgestaltung der Enzanlagen in einen englischen Landschaftsgarten herangezogen. Seit der Erweiterung durch Grundstückskäufe im 19. Jahrhundert zählen sie, heute "Kurpark" genannt, zu den schönsten ihrer Art in Deutschland.   

Attraktiver Ausbau Wildbads seit der Regierung König Wilhelms I. von Württemberg 
Nach den napoleonischen Kriegen baute das benachbarte Großherzogtum Baden seine ehemalige Residenzstadt Baden-Baden zu einem Mode- und Spielbad aus und errichtete 1824 das dem Amusement dienende Konversationshaus Friedrich Weinbrenners. Demgegenüber hielt man in Württemberg vorrangig an der medizinischen Badetherapie fest und setzte zunächst auf Boll, das jedoch unter Wassermangel litt, und Cannstatt, dem die fortschreitende Industrialisierung zu schaffen machte. So ergaben sich neue Chancen für Wildbad. Einen wesentlichen Anstoß zum Ausbau der Stadt ergab ein Treffen König Wil-helms I. mit dem Architekten Nikolaus Friedrich von Thouret 1831 in Wildbad, bei dem sich Thouret für den Abbruch und Neubau der Bäder aussprach. Als man 1836 auf neue Thermalquellen stieß, investierte man staatlicherseits in einen völligen Neubau des Wildbader Kurzentrums. Bereits ein Jahr später, 1837, räumte der Londoner Badearzt Dr. Augustus Bozzi Granville in einem Buch Wildbad den ersten Platz unter den Thermen des deutschsprachigen Raums ein und löste damit einen größeren Besucherstrom aus England aus. 
 
Der neue Wildbader Kurplatz mit Thourets Badhotel und Eberhardsbad, Lithographie von1845Nachdem die Kurarchitektur in Deutschland zu einer Dreiteilung in die Bautypen Badehaus, Kurhaus sowie Trink- und Wandelhalle geführt hatte, errichtete Thouret 1840 bis 1847 ein eigenständiges Badehaus im klassizistischen Stil mit Formelementen aus Romanik und Frührenaissance, das heutige "Palais Thermal". Damit versuchte der ehemalige Hofbaumeister, seiner letzten Schaffensperiode noch ein Glanzlicht aufzusetzen und der Stadt eine gesellschaftliche Attraktion zuzuweisen.

In den 1860er-Jahren wurde mit ca. 4.000 Gästen jährlich nunmehr ein erster Höhepunkt der Kurgastfrequenzen erreicht. Auch prominente Gäste aus dem Adel kamen wieder nach Wildbad, darunter 1856, 1857 und 1860 die Zarenmutter von Russland und bekannte Künstler wie 1856 Gioacchino Rossini und 1859 Clara Schumann. Neben neuen Hotels entstand eine gusseiserne Trinkhalle (1878/79), ein Kurtheater (1864), eine Englische Kirche (1865) als Dank an die Besuchstreue der Engländer, die St. Bonifatiuskirche (1876) und in drei Baustufen (1881-1906) ein zweites, König-Karls-Bad genanntes Badegebäude im Renaissancestil, heute "Forum König-Karls-Bad".

König-Karls-Bad, Aquarell von 1895Der Anstieg der Gästezahlen 1900 bis 1914 auf jährlich über 20.000 veranlasste weitere Bauten wie die Garten- und Lesehalle (1900) beim Rosarium, Umbauten der Trinkhalle von 1878/79 (1904, abgerissen um 1960), das Olgabad (1907) und das neue, ganz vom Jugendstil geprägte Kurhaus (1910). Außerdem wurde 1908 eine Bergbahn als Standseilbahn zum Sommerberg und 1909 das Sommerberghotel eröffnet. Zwischen den beiden Weltkriegen folgte als weiteres Kurgebäude die Trinkhalle von 1934 im zeitgenössischen Stil des architektonischen Rationalismus.

Durch Modernisierungsmaßnahmen wie den Bau des Neuen Eberhardsbads (1977) und die Restaurierung des Palais Thermal (1995), sowie die Verkehrsberuhigung durch den Meisterntunnel (1996), die durch Parkhausbauten ergänzt wurden, die Verlängerung der elektrifizierten Enztalbahn bis zum Kurpark (2003) und die Schaffung von Fußgängerzonen waren Staatsbad und Stadtverwaltung seit Ende der 1950er-Jahre bemüht, für Wildbad wieder den früheren hochrangigen Stellenwert in der deutschen Bäderlandschaft zurückzugewinnen. Neben dem Gesundheits- und Fremdenverkehrssektor entstanden auch weitere Arbeitsplätze im Dienstleistungs- und Schulbereich, im Handwerk, sowie bei zum Teil neuangesiedelten mittelständischen Unternehmen.

Stadtteil Calmbach

Als „Calenbach“ wurde Calmbach erstmals für das Jahr 830 n. Christus im Codex Hirsaugiensis genannt, obwohl der Codex erst Jahrhunderte später verfasst wurde. Eindeutiger wird der Ort 1100 erwähnt, als eine Calwer Gräfin mit Namen Richlind dem Kloster Hirsau 6 Hufen (eine Hufe war eine kleine bäuerliche Wirtschaft) und 6 Leibeigene „ad Calenbach“ schenkte und sie dort ansiedelte. Diese bäuerlichen Anwesen befanden sich in der heutigen Calwer Straße. Hier endete auch der damals einzige Verbindungsweg zwischen dem Kloster Hirsau und dem Enztal.
Im 14. Jahrhundert war Calmbach, zu dem auch die Filial Höfen gehörte, im Besitz der Grafen von Vaihingen. Zusammen mit Neuenbürg und Wildbad kam der Ort 1345 an die Grafschaft Württemberg.

Nach altem Recht hatte Calmbach in den umliegenden Wäldern die Holzgerechtigkeit, Streunutzung und Waldweide inne.
Nach 10-jährigem Streit mit Württemberg wurde 1835 dieses Recht mit der Zuteilung von 1105 Morgen guten Waldes am Kälbling abgegolten. Die Gemeinde wurde dadurch verhältnismäßig wohlhabend und konnte vom Holzerlös jährlich Bürgernutzen ausschütten.
 
Die Haupterwerbsquelle der Bewohner war damals die Flößerei und die Waldwirtschaft. Der Sitz des Floßinspektors, der die Trift (loser Holztransport) und die gebundene Langholzflößerei regelte, war in Calmbach. Verwegene Holzhändler („Schiffer“ genannt) brachten es zu Reichtum und Wohlstand. Die Landwirtschaft auf den kargen Böden war unbedeutend.
 
Die Reformation zog 1535 ins Obere Enztal.
Der Dreißigjährige Krieg, 1618-1648, brachte, wie überall, großen Schrecken und Not. Dazu kam die Pest, der viele Einwohner zum Opfer fielen.
Ab 1648 ging es langsam wieder aufwärts, da auch eine rege Zuwanderung einsetzte.
Herausragende Persönlichkeiten waren:
  • Der verwegene Holzhändler Johann Friedrich Goßweiler, einer der Direktoren der Calwer Holländerholzhandel Kompanie.
  • Die „Rössle“-Wirtin Jakobina Friederika Lutzin, die 1796 Calmbach vor Plünderung und Brandschatzung rettete.
  • Ihr Sohn, Leutnant Christian Friedrich von Lutz, der 1814 den von der napoleonischen Garde umzingelten Württembergischen Kronprinzen aus dem Getümmel heraushieb und dafür geadelt wurde.
In den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts herrschte durch Missernten auch in Calmbach große Not. Viele wanderten nach Amerika aus.
Die Einwohner waren, als sie Notzeit zu Ende war, überwiegend im Wald, in den 10 Sägemühlen und im Handwerk beschäftigt. Ihr Lohn war karg.
Erst zu Anfang des 20. Jahrhunderts, als auch im Enztal die Industrialisierung begann, verbesserten sich die Verdienstmöglichkeiten. Besonders als Alfred Gauthier 1902 im Calmbachtal seinen feinmechanischen Betrieb für Photoverschlussherstellung gründete und der ganzen Region Arbeit und Brot gab.Calmbacher Flößer beim Einbinden der Gestöre mit Floßwieden auf der agenbacher Wasserstube
Dazu wurde drei Jahrzehnte später Calmbach ein „Luftkurort“ und mit dem Fremdenverkehr eine zusätzliche Erwerbsquelle erschlossen.
Bis zur Gemeindereform 1974 war die, auch als „Fünftälerort“ bezeichnete, Gemeinde Calmbach selbständig.
Heute ist Calmbach ein Stadtteil von Bad Wildbad mit guter Infrastruktur, dessen ausgeprägtes Vereinsleben in kultureller, sportlicher und karitativer Hinsicht einen großen Stellenwert einnimmt. 

Stadtteil Sprollenhaus mit Nonnenmiß

Die Besiedlung des Kegelbachtals, früher Mühlbachtals, mit einer Sägmühle wird erstmals 1528 urkundlich erwähnt. Um das Jahr 1560 wird in der "Spolenwaser Hut" ein Forsthaus errichtet, und in den Jahren 1594 und 1624 erscheint die kleine Ansiedlung urkundlich unter "Sprollerhauß". Um 1763 wurde Sprollenhaus größer durch die Ansiedelung von Kolonisten zumeist aus Vorderösterreich (sogenannte "Tiroler"), die den Wald rodeten, um Ackerland zu gewinnen und als Holzhauer ihren Unterhalt zu verdienen. Weitere Informationen finden Sie auf den Seiten des Rundwanderwegs Sprollenhaus.
Der Wohnplatz Nonnenmiß entstand 1718-1719 für Holzhauer durch den Oberfloßfaktor Elias A. Sprenger von Wildbad. Heute sind Sprollenhaus und Nonnenmiß staatlich anerkannte Erholungsorte. 

Stadtteile Aichelberg, Hünerberg und Meistern

Die seit 1974 in die Stadt Bad Wildbad eingegliederten Bergorte Aichelberg, Hünerberg und Meistern wurden im Rahmen einer durch Bevölkerungsdruck ausgelösten großräumigen Siedlungsexpansion im 12. oder 13. Jahrhundert gegründet. Seit dem 11. Jahrhundert bauten vom Murgtal her die Grafen von Eberstein mit Unterstützung der Grafen von Straubenhardt und vom Altsiedelland des Nagoldtals her die Grafen von Calw und Hohenberg ihr allodiales, d.h. auf persönlichem Besitz gegründetes Herrschaftsgebiet flächendeckend aus. Die neuen Ortsgründungen bewirkten eine effizientere Verteilung von Arbeitskräften mit besseren Produktionsmöglichkeiten in der Landwirtschaft dank der Klimaerwärmung. 

In das ausgehende 12. Jahrhundert fällt wohl auch die Gründung der erstmals 1276 urkundlich erwähnten Fautsburg durch die Grafen von Hohenberg zur Verwaltung ihrer Herrschaft über die umliegenden Dörfer. Bis 1345 ging die Gesamtanlage wie auch die Herrschaft Calw sukzessive in württembergischen Besitz über und war 1561 bis 1570 im Besitz des Kirchenreformators Johannes Brenz als Lehen, zeitweise wohl sein Wohnsitz. Danach verfiel die Burg (der Turm wurde 1959-1963 als Aussichtspunkt wieder aufgebaut).

Die Bergorte behielten ihre historischen Grenzen. Da ländliche Rechtsquellen in Württemberg vor 1495 selten überliefert sind, gibt es urkundliche Nachweise zu den Bergorten, mit Ausnahme von Aichelberg (1330), erst seit der österreichischen Herrschaft in Württemberg 1520-1534: jeweils ab 1523 für Hünerberg und Meistern. Bis 1850 gehörten sie zu Neuweiler. Danach bildeten bis 1974 Aichelberg, Hünerberg und Meistern zusammen mit Rehmühle und Kälbermühle die selbstständige Gemeinde "Bergorte", 1938 umbenannt in "Aichelberg".


Bad Wildbader Persönlichkeiten: 

  • Johann Friedrich Goßweiler
  • Ludwig Halter
  • Ludwig Hofacker
  • Justinus Kerner
  • Christian Friedrich von Lutz
  • Jakobina Friederike Lutz
  • Wilhelm Theodor Renz
  • Ludwig Seeger
  • Nikolaus Friedrich von Thouret


Texte: Heimat- und Geschichtsverein Oberes Enztal e.V. / Fritz Barth (Calmbach), Dr. Konrad Finke (Bad Wildbad und die anderen Stadtteile)