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Der "Überfall im Wildbad": Die historischen Fakten

Holzbildhauerarbeit des Kunstgewerblers Karl Spingler mit einer Szene aus Uhlands Ballade vom Überfall
Holzbildhauerarbeit des Kunstgewerblers Karl Spingler mit einer Szene aus Uhlands Ballade vom Überfall

Im Frühjahr 1367 hielt sich der württembergische Graf Eberhard II, genannt der Greiner, zusammen mit seiner Frau, seinem Sohn, seiner Schwiegertochter, seinem Enkel sowie dem Gesinde in Wildbad auf. Eines Nachts wurde er von Wolf von Eberstein, Wolf von Wunnenstein sowie Konrad und Hans von Schmalenstein und anderen Verschwörern angegriffen.

Die Gegner kamen aus Norden, vermutlich hatten sie sich für den Überfall  in der Burg Straubenhardt versammelt. Sie mussten nur eine kurze Strecke über fremdes Territorium reiten, um an ihr Ziel zu gelangen, denn Wildbad lag an der westlichen Grenze der württembergischen Grafschaft. Mit einem schnellen, nächtlichen und damit überraschenden Angriff hofften sie, die Gunst der Stunde nutzen und den Überfall erfolgreich durchführen zu können.

Warum kam es zu diesem Überfall?  Das 14. Jahrhundert war im Südwesten geprägt von  Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Herrschaften, die um Territorien und deren Erweiterungen sowie um Einfluss und Macht rangen. Die Württemberger entwickelten dabei großes Geschick: So manches Territorium wurde aufgrund wirtschaftlicher Krisen aufgekauft, bei Erbteilungen streckten sie die Finger nach den Besitzungen aus und erlangten oft Rechte, sie schreckten auch nicht vor Kämpfen und Eroberungen zurück. So  hatten die Württemberger in den vergangenen Jahrzehnten u.a. das Vorkaufsrecht an allen Ebersteinischen Besitztümern und Nutzungsrechte an der Burg Neueberstein sowie in Gernsbach erlangt.

Der Ebersteiner und seine Verbündeten wollten mit dem Überfall sicher weitere Eingriffe der Württemberger auf ihre Besitzungen verhindern und ihrerseits im Ränkespiel ihre Positionen stärken. Was genau die Angreifer bei diesem Überfall mit der gräflichen Familie vorhatten, wird wohl für immer Spekulationen vorbehalten sein. Eine zeitgenössische Quelle formuliert, dass die Angreifer die Württemberger mortlich und rauplich ubervallen, beraubt und ubel gehandelt han und auch etliche ihrer diener erslagen, gewunt und gevangen han.  Das deutet auf einen heftigen, gewalttätigen sowie Tote und Verwundete fordernden Überfall hin.

Die Herrschaftsfamilie überstand den Überfall jedoch unbeschadet, weil sie sich auf ihre Burg Zavelstein im heutigen Bad Teinach retten konnte.  Wäre das Attentat auf Graf Eberhard und seine Familie damals jedoch geglückt, hätten sie gar ihr Leben verloren, wäre das Haus Württemberg zumindest für einige, vielleicht für eine entscheidende Zeit ins herrenlose Chaos gestürzt und  die territorialen Kämpfe hätten vermutlich andere Wendungen genommen. Dass die Gegnern mit dem Attentat nicht erfolgreich waren, bekamen vor allem die Ebersteiner zu spüren: Sie wurden von Kaiser Karl IV., der auf der Seite der Württemberger stand, mit der Reichsacht belegt und verloren in den nächsten Jahrzehnten immer weiter an Einfluss und Macht, versanken bis zum Ende des Jahrhunderts gar in die Bedeutungslosigkeit.