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Die Fautsburg

Die Burgruine, die als "Kulturdenkmal" des Landes Baden-Württemberg ausgewiesen ist, liegt romantisch auf dem Schwarzwaldhöhenrücken zwischen den beiden Flüssen "Kleine Enz" und "Große Enz" im dichten Wald in der Nähe der Bad Wildbader Bergorte Aichelberg mit Rehmühle, Hünerberg und Meistern. Von der früheren Burganlage mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, Viehställen, Schutzmauern mit Gräben, Burghof und Zugangstoren, ist nur noch der Turm -Bergfried- vorhanden.

Die Ruine der Fautsburg ist durch gekennzeichnete Wanderwege gut erreichbar (von Aichelberg aus sind es ca. 1,6 Kilometer) und bietet eine schöne Aussicht auf das kleine Enztal und die umliegenden bewaldeten Höhen, da sie auf einem kleinen Vorsprung in Richtung des Tals liegt.

Geschichtliches

Die Besiedelung des Höhenrückens begann etwa um das Jahr 1000 nach Christi. Die Bergorte entstanden als Bauernsiedlungen (Waldbauern) und sind auch heute noch weitgehend ländlich geprägt.

Die Fautsburg wurde vermutlich Ende des 12. Jahrhunderts gebaut und erstmals am 23. Februar 1276 urkundlich im Zusammenhang mit Besitzungen des Grafen zu Calw erwähnt, zu dieser Zeit lebte auf der Burg ein Vogt der sich "Hugo de Vogtsburg" nannte, hieraus lässt sich der Name der Burg erschliesen aus Vogtesburg wird "Fautsburg".

Sie diente zum Schutz und auch zur Verwaltung des umliegenden gräflichen Herrschaftsbezirks und war Wohnsitz des gräflichen Vogtes, der im Namen des Grafen die Herrschaftsgewalt - Gerichtsbarkeit, Eintreibung von Abgaben usw. für die Ortsteile Aichelberg, Hünerberg und Meistern, aber auch für die Orte Hofstett, Neuweiler, Aichhalden und Wenden (Herrschaft Vogtsberg) ausübte.

Die Burg mit den dazu gehörenden Besitzungen und den Vogteirechten ging auf das Rittergeschlecht der Herren von Hornberg über. Im Jahre 1323 wurde die Burg mit den Besitzungen zur Hälfte an den Grafen Eberhard den Durchlauchtigsten von Württemberg und zur anderen Hälfte an den Pfalzgrafen Rudolf von Tübingen verkauft. Im Jahre 1345 kamen auch die Besitzungen des Pfalzgrafen von Tübingen an die Württemberger.

Urkundlich belegt ist, dass Graf Eberhard von Württemberg ("Eberhard im Barte") die Burg mit allen Wirtschaftsgebäuden 1476 dem Grafen Hans von Helferstein, Domdechant zu Straßburg und Kritiker der damaligen kirchlichen Zustände, als Zufluchtsort überließ. In Kriegszeiten, z. B. während der Bauernkriege und dem 30-jährigen Krieg, diente die Burg auch als Zufluchtsstätte für die Einwohner der umliegenden Dörfer. Besonders bekannt wurde die Fautsburg durch den berühmten württembergischen Kirchenreformator Johannes Brenz, der die Fautsburg von 1561 bis 1570 vom württembergischen Herzog Christoph als Lehen bekam. Johannes Brenz lebte von 1549 bis 1550 auf der benachbarten Burg Hornberg unter dem Namen "Huldreich Engster". Er musste nämlich bereits 1548 aus Schwäbisch Hall fliehen, weil er wegen seiner lutherischen Kirchenreformideen von Soldaten des Kaisers Karl V verhaftet werden sollte. Er war ein glühender Vertreter von Martin Luther, den er auch persönlich kennen gelernt hatte.Der Nachfolger von Herzog Ulrich, Herzog Christoph von Württemberg, hat dann am 22. April 1561 die Fautsburg an Johannes Brenz als Dank für seine Arbeiten als Kirchenreformator als Besitz-Lehen übertragen.Johannes Brenz war maßgeblich im Auftrag des Herzogs Christoph an der Durchführung der Reformation in Württemberg und der Erarbeitung der großen württembergische evangelischen Kirchenordnung aus dem Jahre 1559 beteiligt.Nach seinem Tod im September 1570 erwarb das Kloster Hirsau die Fautsburg. Das Kloster Hirsau hat die Burg dann aber kurz danach wieder verkauft.

Im Jahre 1594 erhielt der Wildbader Forstmeister Eberhard Zangmeister die Burg als Lehen.

Im Jahre 1603 kam sie wieder in den Besitz der Württemberger Herzöge, die die Fautsburg an den Eigentümer der im Tal der Kleinen Enz gelegenen Rehmühle verkauften, der die Burg mit den Anlagen aber verfallen ließ. Sie wurde zeitweilig als Steinbruch benutzt. Der "Volksbund" berichtet, dass die Burganlage zeitweise auch von Räubern bewohnt war, die Handelsleute auf der von der Burg einsehbaren Straße entlang der Kleinen Enz ausraubten und sich dann in das unauffindliche Burgversteck zurückgezogen.

Die Fautsburg heute

Im Jahre 1939 war die Burg so weit verfallen, dass das Forstamt Hofstett Sicherungsmaßnahmen vorgenommen hat.

In der Zeit von 1959 bis 1963 wurde der quadratische Turm der Burganlage, der "Bergfried", auf Veranlassung des Forstamtes Hofstett (Forstmeister Hofmann, Oberförster Knorr) von der Holzbauergruppe Hünerberg mit großem Einsatz wieder aufgebaut und als Aussichtspunkt hergerichtet.

Das Forstamt Hostett widmete im Juni 1967 die Burganlage der Öffentlichkeit als Erholungsstätte. Danach wurden von der Forstbehörde verschiedene Versuche unternommen, die "Burgruine" zu einem attraktiven Aussichtspukt zu machen (z. B. Planung des Revierförsters Lipowitz im Jahre 1976), was aber nicht realisiert werden konnte.

In der Folgezeit ist die Burg leider wieder in Vergessenheit geraten. Sie steht zur Zeit mit den angrenzenden Waldungen im Eigentum des Landes Baden-Württemberg, Staatliches Forstamt Enzklösterle.

Wegen der besonderen Lage im Schwarzwald und wegen der schönen Aussicht vom Turm ist die ehemalige Burganlage als Wanderziel bestens geeignet. Als Ausgangspunkt für Spaziergänge und Wanderwege bieten sich die Ortslagen von Aichelberg und Hünerberg oder der Campingplatz Rehmühle an. Von diesen Punkten aus sind Rundwanderwege in verschiedenen Längen und Steigungen ausgeschildert.

Historischer Rundwanderweg Fautsburg und Überdachung des Turmes

Der "Bergfried" am historischen Standort Fautsburg (12./13. Jahrhundert) ist zentraler Anlaufpunkt des historischen Rundwanderweges Fautsburg.

Der Turm, der in seiner heutigen Form in den Jahren 1959 und 1963 wieder aufgebaut wurde, erhielt im Mai 2007 als Witterungsschutz und zur Aufwertung als Ausflugsziel ein Dach.

Das Dach haben Bürger gemeinsam mit regionalen Firmen in Hünerberg vorgefertigt. Im Mai 2007 wurde es mit einem Hubschrauber auf den Turm transportiert.

Die Finanzierung erfolgte durch die Leader-Aktionsgruppe Nordschwarzwald mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg und der Europäischen Union sowie der Stadt Bad Wildbad.

Die Gesamtmaßnahme wurde von Bürgern der Bergorte geplant und vorbereitet.